Shanti Ananda

The Nature Concept School

Shanti Ananda Newsletter 4/2009

Qualitätsverbesserung des Unterrichts: Schwerpunkt im Schuljahr 2009/2010

Die Shanti Ananda English Medium School ist eine Privatschule für arme Kinder - ihre Eltern müssen die Armut nachweisen. Im Anantapur Distrikt ist fast jeder arm; aber wir haben auf der Organisations-Besprechung vor den Sommerferien (einmal monatlich berät das Lehrpersonal über die Entwicklung der Schule) strenge Kriterien festgelegt. Schulleiter Chandra Mohan hat die Aufgabe, diese den Eltern gegenüber zu vertreten, denn viele – nicht nur arme – Eltern wollen ihr Kind auf unsere Schule schicken. Im letzten Jahr besuchten 120 Kinder die Schule; jetzt sind es trotz einer neuen Eingangsklasse „nur“ noch 112 Kinder. Der Grund liegt darin, dass einige Eltern unsere strengen Armuts-Kriterien nicht (mehr) erfüllen konnten und ihre Kinder von der Schule nahmen. Am 12. Juni, dem Anmeldetag, war innerhalb von 1 ½ Stunden der ganze Eingangs-Jahrgang (Lower Kinder Garden) mit 20 Kindern voll - ein Zeichen dafür, wie beliebt unsere Schule ist. Sie gilt in Mudigubba als Modellschule, da in den letzten Jahren einige Neuerungen eingeführt wurden.

Unterrichtssprache an einer English Medium School ist natürlich Englisch; alle Fächer – außer den Sprachen Hindi und Telugu - sollen in englischer Sprache unterrichtet werden. Alle Schulbücher sind englischsprachig – außer den Hindi- und Telugu- Büchern. Das Beherrschen der englischen Sprache ist im heutigen Indien essentiell für die spätere Karriere. Die Regierungsschulen bieten Englisch als Fremdsprache erst ab der 5. Klasse an – und das erst seit einem Jahr. Daher bietet unsere Schule Kindern in Mudigubba, deren Eltern die hohen Schulgebühren für teure Privatschulen nicht bezahlen können, eine Möglichkeit, von Anfang an Englisch zu lernen. Dank zweijährigem English Coaching sind unsere LehrerInnen mittlerweile weitgehend dazu in der Lage, auf Englisch zu unterrichten. Doch nach wie vor nehmen die KollegInnen dreimal in der Woche nach Unterrichts-Schluss um 16 Uhr an einer „English Conversation Class“ teil, um ihre Englisch-Kenntnisse zu verbessern.

Buchseite mit Texten in Englisch, Hindi und Telugu

Auch für die sprachbegabten indischen Kinder ist es sicher keine geringe Leistung, drei Sprachen parallel zu erlernen; denn jede hat unterschiedliche Buchstaben. Telugu- (Telugu ist die Landessprache des Bundesstaates Andhra Pradesh) und Hindi-Alphabet (Hindi wird in ganz Indien gesprochen) bestehen jeweils aus 46 Buchstaben (unser Alphabet hat 25 Buchstaben). Die Kinder fangen im Kindergarten mit dem Erlernen der Sprachen Telugu und Englisch an und beherrschen im ersten Schuljahr das Schreiben und Lesen in zwei Sprachen. Im dritten Schuljahr kommt Hindi als weitere Sprache hinzu.

Außerdem werden Mathematik und Environmental Studies (Heimatkunde) unterrichtet, bestehend aus Social Studies (Sozialwissenschaften) und General Science (Allgemein-Bildung). In den höheren Klassen sind u. a. Physik und Chemie Bestandteile von General Science; Social Studies bestehen aus Erdkunde, Geschichte, Staatsbürgerkunde, Wirtschaft etc.).

Schulbücher der 4. Klasse

Dieses Grundgerüst wird erweitert durch nachmittägliche eineinhalbstündige Kreativitätsblocks. Dazu gehören Bücherei-Nachmittag, Theaterspiel und Geschichten, Handarbeit, Basteln, Malen, Yoga und Spiele. In der geplanten Nature School sollen weitere lebenspraktische Angebote wie Landwirtschaft und Gartenbau hinzukommen.

Fernerhin vermitteln wir traditionell indische Disziplinen wie Meditation (jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn), Yoga (dreimal pro Woche für Kinder ab der dritten Klasse nach Unterrichtsende) und Bhajansingen (jeden Freitagmorgen eine Stunde; Bhajans sind Jahrtausende alte überlieferte Gesänge zum Lobe Gottes in seinen unterschiedlichen Aspekten) sowie Erziehung in menschlichen Werten – die sicher auch an den Schulen in Deutschland gute Dienste leisten würde. Der bekannte spirituelle Lehrer Sathya Sai Baba hat mit „Educare“ ein neues Erziehungssystem vorgestellt. Die äußere Erziehung besteht aus einer Sammlung von Fakten, Wissen und Fähigkeiten der äußeren Welt. Es ist notwendig, um den Lebensunterhalt verdienen zu können und um mit dem Leben in der Welt zurechtzukommen. Innere Erziehung = Educare ist für die Verfeinerung des inneren Wesens des Menschen. Educare kommt vom lateinischen Wort “Educare” und hat die Bedeutung “etwas von innen nach außen ziehen”. Educare möchte die Göttliche Liebe und die Menschlichen Werte, die latent im menschlichen Herzen sind, von innen nach außen bringen.

Der Schultag beginnt um 8.45 Uhr mit der Reinigung des Schulgeländes, gefolgt von der Versammlung aller SchülerInnen vor der Schule – wie an allen Schulen Indiens üblich. Die indische Nationalhymne (Anthem) wird gesungen und ein Gelübde gesprochen: „Indien ist mein Land; und alle Inder sind meine Brüder und meine Schwestern. Ich liebe mein Land, und ich bin stolz auf sein reiches und vielfältiges Erbe. Ich werde mich immer bemühen, seiner würdig zu sein. Ich werde meinen Eltern, meinen Lehrern und allen Älteren Respekt geben und jeden mit Höflichkeit behandeln. Meinem Land und meinem Volk gelobe ich meine Hingabe. In ihrem Wohlergehen und Reichtum allein liegt mein Glück.“ Anschließend meditiert jede Klasse 10 Minuten in ihrem Klassenraum; und dann beginnt der Unterricht, der aus vier Unterrichtsstunden am Morgen und zwei Unterrichtsstunden am Nachmittag sowie dem eineinhalbstündigen Kreativitätsblock besteht. Um 16 Uhr ist Schulschluss.

Wir bieten eine kostenlose ganzheitliche Schulbildung für arme Kinder an, die durch eine Integration der normalen Schulfächer, ein Kreativprogramm und traditionelle indische Kulturtechniken sowie Erziehung in menschlichen Werten gekennzeichnet ist – wir nennen diese Zusammenstellung

Erziehung für Kopf, Herz und Hand.

Die Entwicklung zur Naturschule ist der nächste folgerichtige Schritt – im nächsten Newsletter wird es u. a. um dieses Thema gehen.

Ein wesentlicher Schwerpunkt in diesem Schuljahr ist – neben der Vorbereitung der Nature School – die Verbesserung der Unterrichts-Qualität. Leider ist die Lehrer-Ausbildung in Indien alles andere als optimal; es kommt erschwerend hinzu, dass viele LehrerInnen keine explizite Lehrer-Ausbildung haben. In den letzten Jahren haben an der Schule zwar einige Workshops für das Lehrpersonal stattgefunden, in denen es um die Qualitätsverbesserung ging; aber es ist eine kontinuierliche und regelmäßige Anstrengung erforderlich, um das Niveau nachhaltig anzuheben. Daher bin ich sehr glücklich darüber, dass es gelungen ist, den hochkarätigen Lehrer-Ausbilder Mohan Babu (er ist Lehrer mit drei Master-Titeln und hat auch bei der Erstellung von Schulbüchern im Bundesstaat Andhra Pradesh mitgewirkt) dafür zu gewinnen, jeden Monat einen Workshop abzuhalten, in dem es um die Verbesserung der Unterrichts-Qualität (Stunden- und Unterrichts-Planung, Verknüpfung von Theorie und Praxis, Lernziele etc.) und außerdem um die Verbesserung der englischen Sprachkenntnisse geht.

Mohan Babu bei der Vorstellung seiner Weiterbildungs-Maßnahme

Auch die neue Maßnahme, dass jede/r Lehrer/in einen Nachmittag pro Woche von seiner Unterrichtsverpflichtung befreit wird, soll der Verbesserung der Unterrichtsqualität dienen: das Lehrpersonal soll diese Zeit dazu nutzen, sich systematisch auf den Unterricht vorzubereiten. Bücherei und Materialien können in dieser Zeit gezielt und vertieft herangezogen werden. Außerdem soll ab sofort jede/r Lehrer/in jedes Kind seiner Klasse zwei Mal pro Schuljahr zu Hause besuchen, um einen besseren Kontakt mit den Eltern herzustellen und einen Eindruck von der häuslichen Sphäre zu bekommen. Auch diese Maßnahme soll der Verbesserung der Qualität des Unterrichts dienen, indem das jeweilige Kind besser in seinem Sosein verstanden wird und gezielter und individueller Unterstützung erfahren kann.

Das indische Schulsystem ist momentan sehr kopflastig; das Hauptgewicht  wird auf Gedächtnisleistungen gelegt. In den für alle Klassen verbindlichen vierteljährlich stattfindenden „Examinations“ - deren Fragenkatalog zentral von der Regierung festgelegt wurde – wird nach unzähligen Details gefragt; ganzheitliche und problemlösende Lerntechniken werden dabei hintangestellt. Diese Ausrichtung erfährt mittlerweile zunehmend Kritik. So beklagten sich kürzlich in einem Zeitungsartikel SchülerInnen einer 10. Klasse, dass der Stress durch das für die Abschlussprüfung notwendige Auswendiglernen unerträglich geworden sei. Immer mehr Menschen aus dem Erziehungsbereich verstehen, dass eine bessere Erziehung eine Revision der staatlichen Lehrpläne erfordert. Die Erziehungslandschaft wird sich in den nächsten Jahren tief greifend verändern – vielleicht können wir mit unserer Schule einen kleinen Beitrag zur Inspiration leisten…

Zeitungsartikel über neue schülerzentrierte Unterrichtsmethoden

Vor wenigen Tagen wurde ein neues Gesetz „Right of Children to Free and Compulsory Education Bill“ von der Lok Sabha, dem indischen Zentral-Parlament, verabschiedet; es betrifft das Recht der Kinder auf eine schulische Ausbildung. Laut der indischen Verfassung hat zwar jedes Kind ein Anrecht auf schulische Bildung; aber das neue Gesetz will die Praxis verbessern. Vor 16 Jahren legte der Oberste Gerichtshof dem Parlament nahe, ein solches Gesetz zu verabschieden. Jedes Kind zwischen 6 und 14 muss demnächst unabhängig vom sozialen Status eine Schule besuchen. Der Minister für „Human Resources Development“ (Entwicklung des menschlichen Potentials) sagte, dass es ein Unding für eine sich entwickelnde Gesellschaft sei, Kindern aufgrund von Armut elementare Bildung zu verweigern – was bisher in Indien gängige Praxis ist – und bezeichnete das Gesetz als historische Wende.

Artikel aus dem Deccan Chronicle

Dieser Schritt Indiens ist sehr zu begrüßen, da noch immer ein großer Prozentsatz der Kinder nicht zur Schule geht – die Aussagen über die Höhe bewegen sich zwischen 20 und 50%. Aber natürlich wird die reale Verwirklichung dieses ehrgeizigen Programms immense Anstrengungen der indischen Gesellschaft fordern und viel Geld kosten. Wer soll wie die vielen qualifizierten LehrerInnen ausbilden, die den Kindern einen guten Unterricht bieten sollen? Materialien müssen beschafft und Räume zur Verfügung gestellt werden. Die folgende Karikatur zeigt dieses praktische Problem auf.

„Wir können ihn nicht zu zwingen, zu lernen,

mein Herr. Es gibt keine Schule im Dorf!“

Dennoch sollte diese Maßnahme als ein erster wichtiger Schritt zur Realisierung einer umfassenden und von sozialen Unterschieden nicht tangierten Elementarbildung gesehen werden. Bis dieses Gesetz greift, sind weiterhin Initiativen wie die Shanti Ananda Schule notwendig; sie bietet den benachteiligten Kindern in der Kleinstadt Mudigubba eine wirkliche Chance. Ich möchte an dieser Stelle allen Spendern und Spenderinnen für die wertvolle Hilfe danken, die sie geleistet haben, um diese Schule für die Kinder der Armen führen zu können. Sie ist für diese Kinder der Hoffnungsschimmer, um eine gute Ausbildung für ihr späteres Leben zu erzielen. Dennoch ist unser Bedarf groß; und ich möchte dazu aufrufen, weiterhin zu spenden. Mehr Unterrichtsmaterialien werden benötigt, unsere Kinder brauchen neue Schuluniformen (in Indien unerlässlich) und unsere LehrerInnen angemessene Gehälter. Auch kleine Spenden sind willkommen.

Nachmittägliches Spiel: “Little finger, little finger, where are you?”

Viele herzliche Grüße aus Südindien von

Helga Shanti Fründt

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