Shanti Ananda

The Nature Concept School

Shanti Ananda newsletter 8/2010

 

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Das neue Tor, Wahrzeichen der Schule, vom Schulgelände aus gesehen

Am 29.9. wurde das langerwartete schmiedeeiserne Eingangstor aufgestellt – dieses wundervolle Kunstwerk mit einer Merkhaba (Sternen-Tetraeder) im Mittelpunkt ist schon von weitem als Wahrzeichen der Schule erkennbar. Es wurde in den Wochen danach in achteckige Türme eingebaut; allerdings wurden diese Arbeiten durch diverse Hindernisse erschwert. Im Oktober machten uns starke Regenfälle und ein Motorradunfall von Projektmanager Horst Wagner – der ihn vorübergehend „außer Gefecht“ setzte - einen Strich durch unsere Zeitplanung. Im November brachte ein Zyklon bisher ungewohnter Dimension erneut schwere Regenfälle, die in Andhra Pradesh und den Nachbarstaaten Tamil Nadu und Karnataka Verwüstungen und Hochwasser bewirkten; natürlich ist bei einem solchen Wetter an Bauvorhaben nicht zu denken. Ein solches Klima ist hierzulande sehr ungewöhnlich, vor allem außerhalb der Monsunzeit: das Regenwasser, das in den vergangenen Jahren fehlte, kommt nun zu schnell und in zu großen Mengen.

Am 20.10.2010 – einem vielversprechenden Datum – bohrten wir im Westen des Schulgeländes nach Wasser; in nur 3 m Tiefe fanden wir Wasser in einer Menge von ca. 3000 Liter pro Tag (gutes Trink wasser, aber mengenmäßig nicht ausreichend für die Bepflanzung des Geländes). So werden wir wohl noch eine zweite Brunnenbohrung vornehmen müssen, um unserem Bedarf gerecht zu werden. Momentan wird auch ein Wassertank in der unmittelbaren Nähe des Schulgeländes für die Bedürfnisse der Menschen in der Stadt Mudigubba gebaut; auch wir werden dieses Wasserals Trinkwasser nutzen können; eine Anbindung an das Nachtwächter- und Vielzweckhaus, mit dessen Fundament begonnen wurde, ist vorgesehen.

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Koordinator Chandra Mohan und Projektmanager Horst Wagner vor der Wasserbehörde in Anantapur

In der Schule kam es wegen der starken Regenfälle zu mehrfachen Unterrichtsausfällen;  in unseren nicht wetterfesten Klassenräumen ist Unterricht bei solchen Wetterverhältnissen nicht möglich – die Kinder kommen dann gar nicht erst in die Schule... So hattendie Lehrer/innen ungewohnt viel Zeit, sich mit liegengebliebenen Dingen zu beschäftigen, z. B. mit den Berichten von den Elternbesuchen, oder auch mit der Vorbereitung unserer nächsten Projektwoche, die eine „Science Fair“ (Wissenschafts-Messe) sein soll.Aufgrund einer großzügigen Einzelspende konnten dringend benötigte Bücher, vor allem Lexika (wichtig für die Vorbereitung der Projektwoche), und pädagogisch wertvolle Kindergarten-Materialiensowie etliche Denk- und Knobelspiele für die älteren Schüler/innen gekauft werden. Um dieneuen Materialien in das Schulleben einzuführen, planen wirin Kürze einen „Spieletag“. Auch ein „Maintenance Day“ (Tag fürPflege, Reparatur und Imstandsetzung von Materialien) soll demnächst stattfinden; wir halten es für pädagogisch unbedingt erforderlich, dass Schüler/innen lernen, wie man die Gegenstände, die jeden Tag genutzt werden, pflegt, repariert und instandsetzt. Diese „Maintenance“ ist in Indien häufig ein kritischer Punkt; so kann man erleben, dass in Hotels Gardinen nicht gewaschen, öffentliche Gebäude nicht gestrichen, Straßen nicht repariert werden und überall Müll herumliegt…

Im Oktober fand wie im letzten  Jahr in den Dassara-Ferien (Dassara ist ein neuntägiges Fest zu Ehren der verschiedenen Aspekte der Göttlichen Mutter - Lakshmi, Saraswathi, Durga und Kali)unsere jährliche Lehrer-Weiterbildung statt. An fünf aufeinanderfolgenden Tagen gab es einen von Horst Wagner geleiteten Musik-Workshop, einen Kindergarten-Workshop unter meiner Leitung, eine Exkursion zur von Krishnamurthy gegründeten mittlerweile über 75 Jahre alten sehr erfolgreichen RishiValleySchule in der Nähe von Madanapalle (www.rishivalley.org), eine vertiefte Beschäftigung mit der Rede von Indianerhäuptling Seattle (siehe Anhang) sowie die strukturelle Planung der nächsten Projektwoche unter der Leitung von Linda Whitaker.

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Erfahrungen mit improvisierten Musikinstrumenten im Kindergartenworkshop

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Diese hübsche Kröte besuchte uns auf ihrer Flucht vor einer Kobra

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A.Saraswathi hat eine Regenwaldpflanze von der RishiValleySchule mitgebracht

- ob sie wußte, dass das Klima in Andhra Pradesh sich anpassen würde?

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Schulleiterin Sabitha informiert über notwendige Änderungen im Unterricht

Am letzten Tag der Lehrer-Weiterbildung gab Schulleiterin Sabitha Anstöße und Inspirationen zu notwendigen Änderungen in der Unterrichts-Gestaltung. Wenn wir eine „richtige“ kreative Naturschule sein wollen, sollte sich das in der naturnahen ökologisch inspirierten Gestaltung der Schule bzw. des Schulgeländes undnatürlich auch in der Unterrichts-Gestaltungniederschlagen; der Unterricht sollte lebendig und inspirierend sein, der Natur der Kinder entsprechen und möglichst in der Natur und mit Lehrmitteln aus der Natur stattfinden. Unsere Lehrer/innen haben in diversen Workshops einiges gelernt und praktizieren einen viel besseren Unterricht, als im allgemeinen an indischen Schulen üblich; dennoch kann hier noch einiges verbessert werden, damit wir das Etikett „Kreative Naturschule“ mit Stolz und zu Recht verdienen.

Aus diesem Grund gibt es ab sofort eine weitere Fachkonferenz für die Lehrerschaft, nämlich das „Pedagogical Progress Meeting“, wo die vorhergenannten Änderungen besprochen werden sollen. Es findet unter der Leitung von Sabitha alle zwei Monate alternierend zum „Creativity Progress Meeting“ statt (Leitung: A. Saraswathi), letzteres dient dazu, die Qualität der nachmittäglichen Kreativitätsangebotezu besprechen, zu evaluieren und zu verbessern. Außerdem gibt es regelmäßig einmalim Monat ein „Organisational Meeting“ für alle Mitarbeiter/innen der Schule, um sich auszutauschen und notwendige Änderungen zu implementieren. Auf der Leitungsebene findet einmal monatlich das Managing CommitteeMeeting (für Schulleiterin, Koordinator, Projektmanager und Projektleitung) statt. In der Schule findet jeden Samstag unter der Leitung von Sabitha eineLehrerversammlung statt, um sich über den Unterricht in der vorhergegangenen Woche auszutauschen. Zusätzlich gibt es in unregelmäßigen Abständen Society- Meetings (Vereins-Treffen); denn die meisten Lehrer/innen sind Mitglieder und Funktionär/innen in unserer Shanti Ananda Educational Society. Diese vielen Versammlungen sind notwendig, um einen bestimmten Qualitätsstandard unddie notwendige Kommunikation zu gewährleisten. Da wir eine Ganztagsschule sind, ist es nicht möglich, nach Schulschluß (16.30 Uhr) Konferenzen abzuhalten; siemüssen i. R. der normalen Unterrichtszeiten stattfinden. Die Schüler/innen werden in dieser Zeit mit speziellen Aufgaben und Materialien beschäftigt.

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Diese farbenfreudigen Gefäße wurden von den Schülern in Eigeninitiative angefertigt

Bezüglich Spenden für unser Schulprojekt gibt es eine wichtige Änderung, auf die ich hiermit nochmal hinweisen möchte: die Anahata-Stiftung, München, nimmt ab sofort anstelle des Anahata-Vereins die Aufgabe wahr, Spendengelder für die Shanti Ananda Schule in Mudigubba entgegenzunehmen und zu verwalten. Daher möchte ichganz herzlich darum bitten, (Dauer-) Aufträge und Überweisungen spätestens ab Januar 2011 entsprechend zu ändern. Die Stiftung ist selbstverständlich beim Finanzamt als gemeinnützig anerkannt und in der Lage, Zuwendungs-Bestätigungen (Spendenbescheinigungen) auszustellen. Bitte geben Sie Namen und Adresse auf dem Überweisungsträger an, wenn Sie eine solche Zuwendungsbestätigung wünschen.


Bitte geben Sie zusätzlich IMMER den BETREFF an, Shanti Ananda Schule oder Mudigubba. Da das Konto ein Gemeinschaftskonto für mehrere Projekte ist, ist dieserabsolut unverzichtbar.


Die neue Kontoverbindung lautet:

Spendenkonto Anahata-Stiftung

Konto-Nr.:

375 1240 124

BLZ.:

700 205 00

Bank:

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN:

DE09700205003751240124

BIC:

BFSWDE33MUE (Ort: München)

   
   
   

Eine weitere Änderung betrifft die Ausdruckbarkeit der Newsletter. Dank der Hilfsbereitschaft von Andreas Marloth sehe ich mich ab sofort dazu in der Lage, den Newsletter als ausdruckbare PDF-Datei zu verschicken; er befindet sich im Anhang.

Außerdem können Sie mehrfach erwähnte berühmte Rede von Indianerhäuptling Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika aus dem Jahr 1855 weiter unten finden - sie ist äußerst lesens- und bedenkenswert.

Ganz zum Schluß möchte ich noch auf eine äußerst interessante Meldung über die Struktur unseres Universums hinweisen. Ob im Ernst oder im Scherz – bedenkenswert und originell ist die hier erwähnte Theorie allemal; und Originalität ist schließlich das, was wir an unserer Kreativen Naturschule wollen! http://www.tagesschau.de/schlusslicht/schlusslicht1220.html.

Mit ganz herzlichen Grüßen aus Südindien!

Ihre Helga Shanti Fründt

 

Wir sind ein Teil der Erde

Die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855 Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855 Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855 Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855

Der Staat Washington, im Nordwesten der USA, war die Heimat der Duwamish, eines Volkes, das sich – wie a l l e Indianer – als einen Teil der Natur betrachtete, ihr Respekt und Ehrerbietung erwies und seit Generationen mit ihr in Harmonie lebte. Im Jahre 1855 machte der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, der Demokrat Fra n k l i n P i e r c e , de n Duwamish das Angebot, ihr Land weißen Siedlern zu verkaufen; sie selbst sollten in ein Re s e r v a t ziehen. Die Indianer verstanden das nicht. Wie kann man Land kaufen und verkaufen? Nach ihrer Vorstellung kann der Mensch die Erde nicht besitzen, so wenig, wie er den Himmel, die Frische der Luft oder das Glitzern des Wassers besitzen kann. Chief Seattle, der Häuptling d e r Duwamish , antwortete dem „ großen Häuptling der Weißen “ auf dessen Angebot mit einer Rede, deren Weisheit, Kritik und bescheidene Hoffnung uns heute, 155 Jahre später, mehr denn je betrifft und betroffen macht. „Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter“, sagte Chief Seattle. Sein Volk hat nicht überlebt, seine Worte wurden nicht gehört. Werden wir sie hören ? Werden wir überleben?

Die Rede

„Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen – wenn wir nicht verkaufen – kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land.

Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen – oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen – wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Wir werden unsere Entscheidung treffen. Was Häuptling Seattle sagt, darauf kann sich der große Häuptling in Washington verlassen, so sicher wie sich unser weißer Bruder auf die Wiederkehr der Jahreszeiten verlassen kann.

Meine Worte sind wie die Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes. Die Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um unter den Sternen zu wandeln. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler – sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys – und des Menschen – sie alle gehören zur gleichen Familie.

Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, dass er unser Land zu kaufen gedenkt – so verlangt er viel von uns. Der große Häuptling teilt uns mit, dass er uns einen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns leben können. Er wird unser Vater, und wir werden seine Kinder sein. Aber kann das jemals sein? Gott liebt Euer Volk und hat seine roten Kinder verlassen. Er schickt Maschinen, um dem weißen Mann bei seiner Arbeit zu helfen, und baut große Dörfer für ihn. Er macht Euer Volk stärker, Tag für Tag. Bald werdet Ihr das Land überfluten wie Flüsse, die die Schluchten hinabstürzen nach einem unerwarteten Regen.

Mein Volk ist wie eine ablaufende Flut – aber ohne Wiederkehr. Nein, wir sind verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten erzählen nicht die gleichen Geschichten. Gott ist Euch gut gesinnt, und wir sind Waisen. Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Das wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig. Wir erfreuen uns an diesen Wäldern. Ich weiß nicht –unsere Art ist anders als die Eure. Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser – sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land verkaufen, müßt Ihr wissen, dass es heilig ist, und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere Brüder – sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder.

Wenn wir unser Land verkaufen, so müßt Ihr Euch daran erinnern und Eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder – und Eure - , und Ihr müßt von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch. Der rote Mann zog sich immer zurück vor dem eindringenden weißen Mann – so wie der Frühnebel in den Bergen vor der Morgensonne weicht. Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil der Erde uns geweiht. Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen; denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern sein Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Er läßt die Gräber seiner Väter zurück – und kümmert sich nicht. Er stiehlt die Erde von seinen Kindern – und kümmert sich nicht. Seiner Väter Gräber und seiner Kinder Geburtsrecht sind vergessen. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste.

Ich weiß nicht – unsere Art ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht, weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht. Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Keinen Ort, um das Entfalten der Blätter im Frühling zu hören oder das Summen der Insekten. Aber vielleicht nur deshalb, weil ich ein Wilder bin und nicht verstehe. Das Geklappere scheint unsere Ohren nur zu beleidigen. Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann, oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht? Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht.

Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teichfläche streicht – und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den roten Mann – denn alle Dinge teilen denselben Atem – das Tier, der Baum, der Mensch – sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken; wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir Euch unser Land verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, dass die Luft ihren Geist teilt mit all dem Leben, das sie enthält. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt ihren letzten. Und der Wind muß auch unseren Kindern den Lebensgeist geben. Und wenn wir euch unser Land verkaufen, so müßt Ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße Mann spürt, dass der Wind süß duftet von den Wiesenblumen.

Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung. Der weiße Mann muß die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder. Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen – erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere?  Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Weas immer den Tieren geschieht –geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Ihr müßt Eure Kinder lehren, dass der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter ist. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, dass die Erde erfüllt ist von den Seelen unserer Vorfahren. Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren: Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst.

Denn das wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde – das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.

Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben. Unsere Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen – oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen – und wie könnt Ihr sie kaufen? Könnt Ihr denn mit der Erde tun, was Ihr wollt – nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet – und es dem weißen Manne gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen – wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?

Wir werden Euer Angebot bedenken. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt wahrscheinlich der weiße Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land. Aber wir sind Wilde. Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott – dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen? Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken, Tag und Nacht können nicht zusammenleben – wir werden Euer Angebot bedenken, in das Reservat zu gehen. Wir werden abseits und in Frieden leben. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen.

Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt und besiegt. Unsere Krieger wurden beschämt. Nach Niederlagen verbringen sie ihre Tage müßig – vergiften ihren Körper mit süßer Speise und starkem Trunk. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele. Noch wenige Stunden, ein paar Winter – und kein Kind der großen Stämme, die einst in diesem Land lebten oder jetzt in kleinen Gruppen durch die Wälder streifen, wird mehr übrig sein, um an den Gräbern eines Volkes zu trauern – das einst so stark und voller Hoffnung war wie das Eure.

Aber warum soll ich trauern über den Untergang meines Volkes, Völker bestehen aus Menschen – nichts anderem. Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer. Selbst der weiße Mann, dessen Gott mit ihm wandelt und redet, wie Freund zu Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch – Brüder. Wir werden sehen.

Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt – unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, dass Ihr ihn besitzt – so wie ihr unser Land zu besitzen trachtet – aber das könnt Ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen – gleichermaßen der Roten und der Weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll – und die Erde verletzen heißt ihren Schöpfer verachten. Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet Ihr im eigenen Abfall ersticken.

Aber in Eurem Untergang werdet ihr hell strahlen – angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieses Land brachte – und Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind – die wilden Pferde gezähmt – die heimlichen Winkel des Waldes, schwer vom Geruch vieler Menschen – und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten – wo ist das Dickicht – fort, wo der Adler – fort, und was bedeutet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens – und den Beginn des Überlebens.

Gott gab Euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann, aus einem besonderen Grund – doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüßten, wovon der weiße Mann träumt – welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert – und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so dass sie sich nach einem Morgen sehnen. Aber wir sind Wilde – die Träume des weißen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eigenen Wege gehen.

Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selber es wünscht – gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist. Da ist nicht viel, was uns verbindet.

Wir werden Euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu sichern, das ihr versprochen habt. Dort vielleicht können wir unsere kurzen Tage auf unsere Weise verbringen.

Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.

Wenn wir Euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert Euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerung an das Land, wo wie es ist, wenn Ihr es nehmt. Und mit all Eurer Stärke, Eurem Geist, Eurem Herzen, erhaltet es für Eure Kinder und liebt es – so wie Gott uns alle liebt.

Denn eines wissen wir – unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch – Brüder. Wir werden sehen.“

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