Shanti Ananda

The Nature Concept School

Shanti Ananda Newsletter 9/2010

 

Zauberhafte Stimmung am Eingangsbereich zum neuen Schulgelände

Der sehr fortgeschrittene Eingangsbereich zum neuen Schulgelände wirkt märchenhaft schön – eine Quelle der Inspiration für die Menschen, die hier hinein- oder vorbeigehen. In den letzten Wochen wurde an einem kleinen Vielzweckhaus sowie an einer Lagerhalle für Lehmziegel gebaut. Die Herstellung von Ziegeln ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll und soll Menschen im armen und unterbeschäftigten Mudigubba Arbeit verschaffen. Alle weiteren Gebäude auf unserem Gelände sollen mit selbsthergestellten Lehmziegeln gebaut werden. Die Halle soll so groß sein, dass diese dauerhaft in ausreichender Menge produziert werden können; sie wird Lagerkapazitäten für 5000 große Lehmziegel haben. Vier Wochen Lufttrocknung im Schatten garantieren die hohe Festigkeit der Ziegel. Unsere Shanti Ananda Education Society wird der Bevölkerung das Know how zur Verfügung stellen, die so ebenfalls befähigt wird, ökologisch und kostengünstig bauen zu können. Der Ziegel-Verkauf soll eine dauerhafte Einnahmequelle für das Schulprojekt bringen. Bei der Herstellung von 5000 Steinen/Monat zu einem Stückpreis von 15 – 17 Rupees können wir voraussichtlich monatliche Einnahmen in Höhe von ca. 40.000 Rupees erzielen und somit die momentanen Fixkosten der Schule abdecken. Wir sind zuversichtlich, dass sich dieses Selbsthilfeprojekt bald realisieren läßt.

 

Bauarbeiterin vor dem Fundament für die Lagerhalle

 

Eingangstor (hinten links) und Fundament der Lagerhalle vor dem Vielzweckhaus im Bau

Viele und heftige Regenfälle – sehr ungewöhnlich in dieser als Trockengebiet bekannten Gegend – erschwerten im November die Arbeit des Bauteams; aber die Baufortschritte sind dennoch deutlich sichtbar.

 

Projektmanager Horst Wagner vor der Ziegelmaschine im Eco sustainable Living Center

 

Die im Eco sustainable Living Center, Puttaparthi (http://www.ecosustainable.com.au/) ausgestellten Lehmziegel haben – als Materialtest - fünf Jahre (!) lang im Wasser gelegen und sehen aus, als kämen sie gerade frisch aus der Presse… Diese extrem hohe Haltbarkeit ist damit zu erklären, dass die Ziegelmaschine bei der Herstellung großen Druck auf das Material ausübt; außerdem ist ca. 5% weißer Zement in den Ziegeln enthalten. Sechs bis sieben Arbeiter können mit dieser Maschine (die uns gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung gestellt wird) über 1000 Ziegel/Tag herstellen. Der zur Verfügung stehende Lehm muß zunächst analysiert werden, damit die optimale Materialmischung in die Ziegelmaschine gegeben werden kann. Das entsprechende Know how wird Projektmanager Horst Wagner im Januar 2011 in Auroville, Tamil Nadu, erwerben (http://www.earth-auroville.com/).

Nun zu den Aktivitäten in der Schule: Am letzten „Naturtag“ haben Schüler- und Lehrerschaft einen Ausflug zu einem Shivatempel gemacht, der vom alten Schulgebäude aus gesehen hinter dem neuen Schulgelände liegt. Es war ein schöner Weg am – momentan sehr vollen - Wasserreservoir von Mudigubba entlang, bevor es den Berg hochging (Shivatempel werden meist auf Bergen errichtet, da Shiva im Himalaya wohnt). Am Ausflugsziel angekommen wurde eine Pooja zelebriert und danach in der zauberhaft schönen Landschaft gepicknickt, die durch die vielen Regenfälle ungewöhnlich grün ist.

 

Die Kinder genießen das Picknick mit Blick in die Weite

 

 

Rückweg am Wasserreservoir entlang – es war seit 7 Jahren nicht mehr so voll!

Der „Naturtag“ – an dem die älteren Schüler/innen aus den Klassen 5 und 6 teilnehmen (eine 7. Klasse haben wir in diesem Schuljahr nicht) findet immer an dem Tag statt, an dem der Schularzt kommt (seit über zwei Jahren einmal monatlich), um die Kinder zu untersuchen. Vormittags finden Aktivitäten im Rahmen des „Nature Day“ statt, die dazu dienen, die Verbindung zum neuen Schulgelände und zur Natur herzustellen; nachmittags werden alle Schulkinder untersucht und medizinisch versorgt. Diese Mischung hat sich gut bewährt.

 

Schularzt Mussal Reddy untersucht die Schulkinder

Linda Whitaker, die seit 2008 als Lehrerausbilderin an der Shanti Ananda Schule tätig ist, leitete unseren ersten Spieletag am 8. Dezember.

 

Meditationsrunde vor Beginn des Spieletages

Ziel dieses Tages war die Einführung einiger neuer Indoor-Spiele. Linda ließ zunächst die Lehrer/innen überlegen, für welche Altersgruppe die Spiele geeignet sind und welche Fähigkeiten mit ihnen entwickeln werden können.

 

M. Saraswathi, Schulleiterin Sabitha und Linda

Morgens führten die Lehrer/innen sich die Spiele intensiver „zu Gemüte“; nachmittags kamen die älteren Schüler/innen (Klasse 5 und 6) „zum Zuge“.

 

Raja Sekhar und Schüler/innen beim Spiel mit Dominosteinen

Dabei sollten alle Beteiligten überlegen bzw. probieren, wie diese Spiele benutzt werden können – und nicht nur der Gebrauchsanleitung „gehorchen“. So generierten sich phantastische neue Ideen; Lehrerin M. Saraswathi hatte die Eingebung, mit Hilfe von Dominosteinen das Bruchrechnen zu vermitteln…Alle hatten viel Freude und Spaß bei der Sache und bezeichneten diesen Spieletag als einen vollen Erfolg. Schulleiterin Sabitha berichtete – stellvertretend für das Kollegium - begeistert, dass sie an diesem Tag sehr viel gelernt hätten.

 

Das Mechanikerspiel erfreut sich besonderer Beliebtheit bei Groß und Klein

Das Pressefoto von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem indischen Premierminister Manmohan Singh stammt aus dem Deccan Chronicle, einer überregionalen Zeitung, vom 13.12. 2010. Die Zeitung  berichtet, daß Deutschland und Indien mehr als bisher bei der Bildung kooperieren wollen.

 

Angela Merkel und Manmohan Singh

Der neue Premierminister des Bundesstaats Andhra Pradesh, Kiran, sagte, dass die Bildung hierzulande gescheitert sei und man ganz von vorne anfangen müsse. Er bezeichnete die Bildungsreform als seine Hauptaufgabe, um das Land auf Vordermann bringen zu können, und neue Inspirationen als unabdingbar. Sein Vorhaben und die geplante verstärkte Zusammenarbeit von Deutschland und Indien im Bildungssektor lassen jetzt endlich auf mehr Qualität und Kreativität hoffen. Modellschulen – wie unsere Shanti Ananda Schule – sind voll „im Trend“, weil die ganzheitliche Bildung als Inspiration für den Bildungsbereich dient, können als Ideenbringer aktiv die neue Strategie verwirklichen und sind notwendig, um innovative kreative Akzente zu setzen. Auf das Land Indien und/oder den Bundesstaat Andhra Pradesh und auch die meisten der anderen 25 Bundesstaaten kommt jedenfalls viel Arbeit zu, wenn die momentane miserable Bildungssituation wirklich nachhaltig verbessert werden soll.

Damit wünsche ich Ihnen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest sowie einen guten Start in das Jahr 2011!

Mit ganz herzlichen Grüßen aus Südindien!

Ihre Helga Shanti Fründt

P. S. Weiter unten finden Sie einen Text ueber einen Tag in Indien. Viel Spass beim Lesen!

 

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Ein Tag in Indien

In den folgenden Zeilen möchte ich – parodistisch, satirisch, glossenmäßig oder auch als eine Art Persiflage - einen Tag in Indien beschreiben. Wenn man noch nie hier war, kann man sich vieles einfach nicht vorstellen… Dabei kann es durchaus passieren, dass Emotionen, philosophische Überlegungen etc. mit einfließen. Wenn es den einen oder die andere zum Lachen, zum Weinen oder auch zum Nachdenken bringen sollte, haben diese Zeilen ihren Sinn erfüllt…

Pünktlich um 7.30 Uhr steht das Taxi am 16. November 2010 vor der Tür meiner Wohnung in Uwjalla Village, einer kleinen „grünen“ Siedlung etwa drei km außerhalb von der Stadt Puttaparthy in Südindien. Diese erstaunliche Tatsache ist auf meine Überzeugungsarbeit bei dem Taxiunternehmen zurückzuführen – ich habe immer wieder erklärt, dass – wenn ich um 7.30 Uhr losfahren möchte, das Taxi nicht um 8 Uhr, sondern unbedingt vorher kommen muß... Aufgrund von drei Rippenbrüchen als Folge eines Unfalls kann Projektmanager Horst Wagner momentan nicht mit dem Society-Motorrad fahren, das uns sonst meist nach Mudigubba zur Shanti Ananda Schule bringt. Mit dem Bus zu fahren, würde mindestens zwei bis drei Stunden dauern – aber da nur Gott die Busfahrpläne kennt, kann es auch passieren, dass gar kein Bus kommt; dann müßten wir einen Jeep oder eine Rickshaw benutzen – in denen durchschnittlich 15 – 20 Personen befördert werden – ein spannender Ersatz für einen Abenteuerurlaub.

Unterwegs kauft Horst den „Deccan Chronicle“, eine kritische englischsprachige überregionale Tageszeitung. Heute kann man einen Artikel über die „civic amenities“ im weltbekannten Pilgerort Puttaparthy – der immerhin den größten Ashram Indiens beherbergt und ständig von Zehntausenden Pilgern besucht wird - finden; Abwassersysteme, Müllbeseitigung und Straßen sollten verbessert werden; aber nichts Durchgreifendes ist passiert http://www.deccanchronicle.com/ap/anantapur.  Gestern war zu lesen, dass in Puttaparthy nur Häuser bis zu einer Höhe von zwei Stockwerken erlaubt sind – Tatsache ist, dass viele Häuser bis zu neun Etagen haben, die nur mit Hilfe von Bestechungsgeldern gebaut werden konnten.

Die Straße nach Mudigubba ist schlechter als miserabel – vor zwei Jahren wurde sie neu gemacht; aber aufgrund des stark gestiegenen Verkehrs und des vielen Regens besteht sie mittlerweile vorwiegend aus Schlaglöchern - ein Beispiel für „indische Qualität“... Horst Wagner leidet unter den vielen starken Erschütterungen, die auch die Federung des Autos nicht abfangen kann (warum eigentlich kommen in diesem Land nicht die schönen „Enten“ – 2CV - zum Einsatz, die früher unsere Straßen bereicherten – sie hatten eine phantastische Federung?), die seine ohnehin heftigen Schmerzen vergrößern. Aber er möchte seiner Aufgabe als Projektmanager nachkommen und sich die neuen Baumaßnahmen auf dem Schulland ansehen. In den letzten zwei Wochen hat er versucht, per Telefon und Internet den Kontakt mit Koordinator Chandra Mohan zu halten. Bis das Internetmodem funktionierte, vergingen gute zwei Wochen – aber was bedeutet schon Zeit in Indien? Man spricht hierzulande immer von der „stretchable Indian time“ – frei übersetzt bedeutet es, dass der Inder Herr über die Zeit ist, während der Westler sich häufig zum Sklaven seines Zeitplans macht. Bezüglich des Umgangs mit Zeit lassen sich die unterschiedlichen Kulturen gut gegeneinanderhalten. Es regnet – auch das Wetter spielt verrückt; es hat noch nie in dieser Jahreszeit so viel geregnet. Das Wasserreservoir in Mudigubba, an das unser Schulland angrenzt, ist schon ziemlich voll, hat Chandra Mohan gesagt…

Die Fahrt ist wie immer lebensgefährlich, da die Straße schmal ist und die meisten Fahrer rasen, sobald die Straßenqualität es stückweise erlaubt; mit lautem Hupen versuchen sie die Gefahrensituation zu überkompensieren. Wilde Hunde, die mitten auf der Straße liegen oder unangemeldet vor das Auto oder Motorrad laufen, riesige Ziegenherden sowie frei umherlaufende Inder - die nie schauen, bevor sie die Straße betreten, sondern nur auf Gehör reagieren - müssen rechtzeitig „weggehupt“ werden. Hühner mit ihren Küken gackern aufgeregt, wenn sie – ähnlich einem Selbstmordkommando kurz vor dem passierenden Fahrzeug– wild flügelschlagend die Straße überqueren. Nach einer guten Stunde kommen wir im 40 km entfernten Mudigubba an.

Nach einer kurzen Besprechung mit Schulleiterin Sabitha in der Schule fahren Horst Wagner, Chandra Mohan und ich zum neuen Schulland. Das Wasserreservoir, das seit sieben Jahren nicht mehr voll war, hat aufgrund des vielen Regens schon ca. 10 - 15 m unseres Landes überflutet… Es sieht nicht danach aus, als ob der Regen bald aufhören würde. Vielleicht kommen jetzt erst die Wasserfluten des bereits für die letzte Woche angekündigten Zyklons – auch die indischen Wetterprognosen sind nicht unbedingt immer zuverlässig… Bei strömendem Regen ruhen natürlich alle Baumaßnahmen; so macht uns das Wetter in der letzten Zeit gerne einen Strich durch unsere Zeitplanung.

Der Eingangsbereich befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium; für ihn mußte ein Fundament gebaut und viel Erde aufgeschüttet werden, da zum einen das Schulgelände zum Wasser hin abschüssig ist (der Eingang befindet sich auf der höheren Seite) und zum anderen die am Schulland entlang verlaufende Straße neu gemacht wurde, was mit einer Niveau-Erhöhung von 40 cm verbunden war. Nach den Prinzipien von Vastu (das indische „Feng Shui“) bringt es schlechte Energien, wenn der Eingangsbereich abschüssig ist – er muß leicht ansteigend sein, um gute Energien anzuziehen…  Wir sind zufrieden mit dem Aussehen des Entree - die geplanten Zwiebeltürmchen auf den achteckigen Pfeilern sollen hinzukommen, sobald Horst Wagner wieder dazu in der Lage ist, Bauaufsicht zu führen. Das erst vor sechs Wochen eingepaßte wunderschöne künstlerisch gestaltete Tor - mit dem Sternentetraeder in der Mitte – ist an einer Stelle aus der Verankerung gefallen – der Schweißer hat offenbar nicht genau gearbeitet.

Mir fällt eine Bemerkung von Prinz Charles ein - die vor kurzem durch die Presse ging - als er im Zusammenhang mit einem von der Decke herunterhängenden Elektrokabel davon sprach, dass ein indischer Arbeiter am Werk gewesen sein müsse. Ach Prinz Charles, Du hast Du ja sooo recht... (Prinz Charles baut übrigens Öko-Gemüse an und hat ein Buch  "Harmonie - Eine neue Sicht unserer Welt" geschrieben. Das Tor wiege 350 kg, erklärt Koordinator Chandra Mohan entschuldigend, dann müsse der Schweißer eben nacharbeiten – und er könne ja auch zusätzlich noch eine Verstärkung anfügen.

Hier in Indien ist nie etwas wirklich fertig, höchstens wir. Wir gehen zum im Bau befindlichen Nachtwächter- und Vielzweckhaus, das aus vier Eckpfeilern mit eingefügten Zementziegelmauern besteht. Horst Wagner tritt versehentlich auf einen herumliegenden Zementziegel, woraufhin dieser sich pulverisiert. Das ist erstaunlich - sagt man nicht immer, dass Zement bindet? Wir kommen zu der Schlußfolgerung, dass die Ziegel allenfalls in der Nähe von Zement gelegen haben, keinesfalls jedoch mehr als schätzungsweise 0,01% Zement enthalten können. Diese Überlegung erzeugt bei uns Phantasien von einstürzenden Mauern, die nicht sonderlich beruhigend sind. Daher entschließen wir uns - bei mittlerweile strömendem Regen – den Hersteller der Ziegel zur Rede zu stellen.

Auf der Fahrt dorthin erklärt Chandra uns, dass von den ursprünglich vier Zementfabriken in der Mandal-Hauptstadt Mudigubba drei Betriebe ihre Arbeit eingestellt haben - da aufgrund des vielen Regens die Ziegel nicht mehr getrocknet werden können. Der Besitzer – durch Chandra über unseren Besuch informiert - kommt uns mit einem schwarzen Regenschirm entgegen, der zweifellos der Trauer über seine unzureichenden Produkte Ausdruck verleihen soll. Ich schleudere ihm ins Gesicht, dass er uns gefälligst das Geld für diese Sch… ziegel zurückgeben soll. Da ich Englisch spreche, reagiert er darauf nicht, unterhält sich aber angeregt mit unserem Fahrer sowie mit Chandra Mohan in der Landessprache Telugu. Chandra übersetzt, dass der Fabrikbesitzer die – zugegebenermaßen einfachen - Ziegel seit 20 Jahren herstelle und noch nie eine Beschwerde erhalten habe. Und er habe sie ja auch zum günstigen Preis von nur 8 Rupees/Stück verkauft. Man müsse die Ziegelmauern nur verputzen, erklärt uns der Hersteller – dann würden sie ewig halten - aber was bedeutet in diesem Land schon eine „Ewigkeit“?  Bei dieser Empfehlung hat er sicherlich nicht das veränderte Klima bedacht – in den letzten Jahren hat es in Mudigubba kaum geregnet; aber bei dem momentanen Dauerregen fällt eine solche „Zement“-Ziegelsteinmauer sicher in kurzer Zeit zusammen. Wir rechnen fest damit, dass bei weiter anhaltendem Regen eine Reihe von Häusern in Mudigubba einstürzen wird, die mit ebendiesen Ziegeln gebaut wurden.

Nach langer Diskussion entschließt der Ziegelhersteller sich – vielleicht wegen meiner Drohung, diese Geschichte an die örtliche Presse weiterzugeben (Wir sind als einzige Westler im Ort, die zudem eine Kreative Naturschule bauen, sehr bekannt…) - uns pro Ziegel einen Rupee zurückzugeben – insgesamt 600 Rupees. (Juchhu, eine Donation für unsere Society…). Wir geben uns mit diesem Teilerfolg zufrieden und treten den Rückweg an; unterwegs zeigt Chandra uns beim Schreiner die schon fertige – sehr attraktive - Tür für das Nachtwächterhaus.

Nachmittags findet eine Konferenz in der Schule statt; Schulleiterin Sabitha leitet das neu eingeführte Pedagogical Progress Meeting. Die Lehrer/innen überlegen, welche Methoden und Materialien in den Sprachen (Telugu, Englisch und Hindi) eingesetzt werden können, um einen lebendigen und naturschulgemäßen Unterricht zu unterstützen. Alle sind sehr angetan von dieser Art des Unterrichts und berichten, dass die Kinder besser lernen und Lehrpersonal und Schüler/innen mehr Spaß in der Schule haben. Unsere Schule hat einen sehr guten Ruf als innovative und kreative Modellschule. Am Schluß erzählen die Lehrer/innen, wie sehr sie selber in ihrer Kindheit und Jugend unter dem langweiligen und trockenen hierzulande üblichen Unterricht gelitten haben - er besteht in erster Linie aus Memorieren und Lesen. Geprügelt worden sind fast alle von ihren Lehrern; und auch heute noch werden in Indien Kinder in der Schule häufig körperlich mißhandelt. Die meisten Eltern akzeptieren das, weil sie selber ihre Kinder auch prügeln… Ein bekannter indischer Erziehungs-Fachmann – dessen Name mir leider entfallen ist - sagte mal, dass das moderne indische Schulsystem die Nachteile des vormaligen britischen und des alten indischen in sich vereinen würde.

Um 16.30 Uhr treten wir den Rückweg an; die Straße ist mittlerweile noch schlechter geworden, weil es in Strömen regnet - was die Zahl der tiefen Pfützen vergrößert. (Bei einer Fahrt zur Schule vor etwas über einer Woche war die Straße über weite Strecken überflutet; und wir mußten einen Umweg von ca. 10 km machen…) Ich frage mich immer wieder, wie die Autos diese Straßenverhältnisse einigermaßen unbeschadet überstehen können. Normalerweise passiert jedoch höchstens, dass der Seitenspiegel von entgegenkommenden Autos abgefahren wird – das habe ich schon dreimal erlebt. Horst Wagner hat mehrfach die Erfahrung gemacht, dass das Ventil des Rückreifens mitten in der Fahrt abgeflogen ist – das gibt meist einen großen Knall und ist durchaus nicht ungefährlich. Aber in diesem Land lernt man Gelassenheit… Horst Wagner sinniert darüber, dass man in Indien mehrere Hunderttausende Bildungsberater und mindestens ebenso viele Qualitätsmanager brauchen könne.

In meiner Wohnung angekommen - es ist mittlerweile dunkel - möchte ich mir erstmal einen heißen Tee zubereiten, das habe ich mir nach dem harten Arbeitstag redlich verdient. Leider ist kein Strom da - also ist edler Verzicht angesagt: es handelt sich ja nur um die Bedürfnisse des Körpers – und der ist vergänglich… Ich beschließe, meine Mails zu lesen - allerdings funktioniert die Internetverbindung gerade nicht… mein hervorragendes indisches Modem von BSNL ist nicht immer einsatzfähig. Aber ich bin ja dankbar, dass es zumindest zeitweilig möglich ist, Mails zu verschicken und zu erhalten oder Websites anzuschauen - man sollte keine zu hohen Ansprüche haben. Das Vorgänger-Modem der Firma Reliance funktionierte meist nicht – und wenn, dann nur ganz langsam – da wird man bescheiden. Mittlerweile ist Strom da, aber nur ganz schwach. Vor einigen Wochen ging mein Stabilizer kaputt - er gleicht die Stromschwankungen aus, sowas braucht man hier. Die Reparatur in einem indischen Elektrogeschäft dauerte fast drei Wochen, der Besitzer mußte auf die Ersatzteile warten. Ich setze mich in den Sessel und lege die Beine hoch. Eine meditative Grundhaltung ist jetzt wichtig, da mehrere Mücken mich gierig umschwirren (ohne Strom kann der Ventilator nicht seine mückenvertreibende Funktion wahrnehmen)  – aber was hat Ramana Maharshi sich daraus gemacht, dass Ameisen ihn zerbissen – er hat Erleuchtung erlangt… An Kochen ist heute abend nicht zu denken; gottseidank habe ich mir gestern in „Swamys Kitchen“ Laddhus besorgt, mit denen ich jetzt genußvoll meinen Hunger stillen kann. Gedankenfetzen kommen mir in den Sinn, während ich versuche, mich nach dem anstrengenden Tag zu entspannen. Nirgendwo lernt man besser als in Indien, loszulassen – ach, was sind wir qualitätsbewußten und gewissenhaften Deutschen doch fixiert auf unsere Pläne, Vorhaben und Vorstellungen… Hier im „heiligen Indien“ kommt jeden Tag erstens alles anders, und zweitens, als man denkt. Die Straße, die wir heute befahren, sieht morgen garantiert anders aus. Mehr Schlaglöcher, irgendwo aufgebuddelt, eine neue Nebenstraße installiert und eine alte geschlossen. Wenn der Inder auf einem Gebiet Weltklasse hat, so ist das beim Cricket und beim Improvisieren – und natürlich auf spirituellen Gebiet. Indien ist das Land des Herzens, aber ganz bestimmt nicht der Materie. Das ist als Westler schwer zu akzeptieren. Oh; da fällt mir ein, ich muß noch meine Medikamente einnehmen. (Ich nehme seit fünf Monaten ayurvedische Präparate ein, um meine Leber zu entgiften. Die war, obwohl ich einen gesunden Lebensstil praktiziere, so vergiftet, dass immer wieder Augenpartie und Gliedmaßen anschwollen. Der ayurvedische Arzt sagte, das käme von den vielen Pestiziden im Gemüse – aber biologisches Gemüse ist nur zu bestimmten Zeiten erhältlich… In keinem Land der Welt werden so unkontrolliert Pestizide verwendet wie in Indien).

Der Strom kommt wieder; ich blase die Kerze aus und mache mir Wasser heiß. Sobald das Wasser heiß ist, kommt die nächste Stromunterbrechung – ich zünde die Kerze wieder an. Ach Indien, ich liebe Dich. Du bringst mich zu mir selbst und zeigst mir alle unerleuchteten Anteile in mir. Solange ich mich über Dich aufrege, rege ich mich letztlich doch nur über mich selber auf. Danke für diese Belehrung!

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