Shanti Ananda

The Nature Concept School

Shanti Ananda Newsletter 7/2011

Als allererstes eine sehr erfreuliche Nachricht: wir haben am 15. Oktober  die Verlängerung der Recognition (Staatliche Anerkennung der Schule) für weitere drei Jahre bekommen. Chandra Mohan, unser Koordinator, hat sich sehr in’s Zeug gelegt und diesen Erfolg beim DEO (District Education Officer) in Anantapur erreicht – ohne Korruptionsgelder! Das gehört bei uns zum Standard - was in der Praxis manchmal schwierig ist, weil es Nerven und längere Wartezeiten kostet  – aber viele Schulen zahlen bereitwillig „Bribes“ und erreichen manches schneller und mit weniger Papierkrieg... Obwohl es eine staatliche Kampagne gegen die Korruption gibt, symbolisiert durch das CBI (Central Bureau of Investigation), ist nach wie vor die Korruption sehr verbreitet – trotz der Erfolge des landesweit sehr populären Aktivisten Anna Hazare, der erreicht hat, dass die Zentral-Regierung in Delhi ein verschärftes Anti-Korruptionsgesetz verabschiedet.

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Diskussion im Kollegium über die neuen Arbeitsverträge

In der Schule ist mittelfristig ein wichtiges Thema die Qualitäts-Verbesserung des Unterichts. Einen großen Fortschritt in unserer pädagogischen Arbeit stellen die am 1.10. unterschriebenen Arbeitsverträge für die Lehrer/innen dar – diese  enthalten neben Mission und Vision der Shanti Ananda Nature Concept School klare Qualitäts-Standards für die pädagogische Arbeit wie schülerzentrierten Unterricht, Anwendung mehrerer Unterrichts-Methoden und handlungsorientiertes Lernen.

 

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Linda – die der Schule viele Bücher gespendet hat - bei der Lehrer-Weiterbildung

Linda (Englisch-Lehrerin mit langjähriger Unterrichts-Erfahrung an Internationalen Schulen in den USA, Saudiarabien und der Türkei), das Schulleiter-Team (RajaSekhar - als neuer Schulleiter - und Sabitha) und ich haben diese Standards gemeinsam erarbeitet. Die – wie jedes Jahr – in den Dassera-Ferien stattfindende fünftägige Lehrer-Weiterbildung beinhaltete, dass jede/r Lehrer/in eine Unterrichts-Einheit vorführte, die vom Kollegium bewertet wurde – aus Schüler-Sicht (die Lehrer/innen agierten in den Demos als Schüler/innen, was mit viel Spaß und auch einigen Aha-Erlebnissen verbunden war) und aus Lehrer-Sicht.

 

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Schulleiter Raja Sekhar und Lehrer Venkata Narayana bei der Lehrer-Weiterbildung

Das Feedback in den unterschiedlichen Rollen als Schüler/in und Lehrer/in sorgte für eine perspektivenverschränkende Wahrnehmung und war recht produktiv. Die Vorführungen übertrafen teilweise unsere Erwartungen, was die Fähigkeit einzelner Lehrer/innen zur systematischen Unterrichts-Planung und Durchführung anging. Raja Sekhar legte eine inspirierende Kindergarten-Unterrichtseinheit auf's Parkett, die in jeder Hinsicht vorbildlich war.  Diese wollen wir auf unsere für nächstes Jahr geplante Schul-Website stellen - als gutes Beispiel für schüler- und handlungs-orientierten Unterricht mit Kopf, Herz und Hand auf der Basis von menschlichen Werten sowie vielen Sinnes-Erfahrungen, Meditation und Phantasiereise.

 

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Lehrerinnen A. Saraswathi und M. Saraswathi als Kindergarten-Kinder beim Bauen mit Klötzen

In den nächsten sechs Monaten – wir haben in den Arbeitsverträgen eine Probezeit für die Lehrer/innen eingeführt - werden Linda und ich 27 Unterrichtsbesuche (für jede/n Lehrer/in drei) durchführen, um Evaluation und gezielte Beratung zu tätigen. Die Standards, die wir in unserer Nature Concept School realisieren wollen, sind unabdingbar, um eine angemessene Qualität des Unterrichts zu gewährleisten. Damit könnten wir führend im Anantapur District werden; denn in Indien – das erst in 2010 das Recht je des Kindes auf Schulbildung gesetzlich verankert hat – ist es noch ein weiter Weg bis zu einem guten Standard; zu sehr geht es noch um die Basics. Doch es gibt Ansätze zur Änderung; so sollen im nächsten Jahr in Andhra Pradesh an den Regierungsschulen 20000 Lehrer/innen eingestellt werden; für diese Posten kommen nur ausgebildete Pädagog/innen (Bachelors of Education) in Frage. Uns könnte es bei Einhaltung unserer Qualitäts-Standards in Zukunft u. U. möglich sein, zusätzlich eine weitere Klientel von Schüler/innen  aufzunehmen, die auch Schulgebühren bezahlen könnten – neben unseren armen Kindern, deren Eltern nur  eine Zulassungsgebühr und den Societybeitrag bezahlen.

Zwei Nähmaschinen wurden von der Shanti Ananda Education Society erworben; mit ihnen soll ein Teil der neuen Schuluniformen für unsere 145 Schüler/innen genäht werden – Stoff und Zubehör sind bereits vorhanden. Zudem wollen wir die nächste Projektwoche - im November - dem Thema Nähen und Schneiderei widmen. Für die Schuluniformen müssen 580 Teile genäht werden – pro Schüler/in zwei Trägerröcke bzw. Hosen sowie zwei Blusen bzw. Hemden; ca. 100 Kleidungsstücke wollen die Lehrer/innen herstellen. Bereits im letzten Jahr nähten Raja Sekhar und Munemma in den nachmittäglichen Kreativitätszeiten Schuluniformen; Raja Sekhar hatte seine Nähmaschine der Schule zur Verfügung gestellt – er ist ausgebildeter Schneider, der sein Handwerk hervorragend beherrscht. Örtliche Schneider aus Mudigubba sollen die übrigen Kleidungsstücke anfertigen; erfreulicherweise haben sich auch mehrere Schülermütter mit schneiderischen Kenntnissen dazu bereit erklärt, beim Nähen zu helfen. An unserer Schule werden alle zwei Jahre für alle Kinder und auch für die Lehrerinnen neue Schuluniformen gestellt - ein erheblicher Kostenfaktor für die Schulkasse, u. a. aufgrund stark gestiegener Preise… Aber Schuluniformen gehören in Indien unbedingt mit dazu und sind an jeder Schule üblich – auch an den staatlichen Schulen. Auch die Lehrer/innen wollen für sich den Einheits-Look…

 

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Gärtner Bassava Raju präsentiert neue Gartengeräte

Auf dem neuen Schulgelände stellte der neue – sehr erfahrene und fähige - Gärtner Bassava Raju am Nature Day im September neue Gartengeräte für die Kinder vor und führte in die praktische Arbeit mit ihnen ein. Anschließend führten die Schüler/innen der Klassen 6 und 7 ein kleines Theaterstück auf, das zum Inhalt hatte, die Bäume zu schützen und zu ehren – sie sind lebenswichtig für uns. Es war für alle Beteiligten sehr berührend, diese Botschaft zu vernehmen… Die Kinder demonstrierten mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen, was passiert, wenn die Bäume gewissenlos abgeholzt werden.

 

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… und demonstriert deren Anwendung in der Praxis

Unsere Schülereltern sind nach wie vor rege dabei, uns mit praktischer Arbeit zu unterstützen – fast jeden Tag kommt ein Trupp Freiwilliger auf das Gelände, um zu helfen. Viele unterschiedliche Arbeiten werden von Eltern erledigt.

 

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Eltern beim Sieben der roten Erde, die für die Lehmziegelherstellung dient

Die neue Ziegelmaschine wird regelmäßig betrieben – aus klimatischen Gründen mußten wir warten, bis keine plötzlichen Regenfälle mehr stören. Koordinator Chandra Mohan leitet die Produktion an, die er im Februar in Auroville gelernt hat, an; die folgenden Fotos sollen den Ablauf verdeutlichen:

 

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Rote Erde wird mit Sand, 5% Zement und Wasser vermischt – Schüler/innen machen mit

 

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Die fertige Lehmmasse wird in ein Model gefügt und mit hohem Druck gepreßt

 

Die fertigen Lehmziegel – deren Festigkeit durch den hohen Druck bei der Herstellung zustande kommt - müssen drei Tage abgedeckt in der Halle lagern und für einen Monat dreimal täglich gewässert werden, um eine definitive Haltbarkeit zu erhalten (in Testverfahren lagerten Ziegel fünf Jahre lang (!) in Wasser, ohne ihre Form zu verlieren). Im Gegensatz zu den „normalen“ Lehmziegeln werden „unsere“ Ziegel nicht gebrannt, weshalb sie ökologisch wertvoll sind. Wir haben diverse Models, mit denen ca. 20 unterschiedliche Ziegelformen hergestellt werden können.

 

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Schüler/innen beobachten den Fertigungsprozeß

 

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Projektmanager Horst Wagner vor vier Stapeln frischgepreßter Öko-Lehmziegel

 

Interview mit Projektmanager und (Gelände-)Architekt Horst Wagner

Frage: Was betrachtest Du als Deine wichtigste Aufgabe?

Antwort: …die ganzheitliche Gestaltung des Schulgeländes unter Berücksichtigung der Heiligen Geometrie und menschenfreundlicher Proportionalität aus natürlichen Materialien wie Granitsteinen, runden Findlingssteinen und selbsthergestellten Öko-Lehmziegeln. Die energetische Qualität sollte dem Bedürfnis von Schüler/innen und Lehrer/innen nach Harmonie entgegenkommen; dazu gehört auch eine Landschafts-Gestaltung mit biologischem Anbau von Heilpflanzen, Fruchtbäumen und Gemüse. Alle Abmessungen auf dem Schulgelände basieren auf der Zahl 9; diese Zahl ist bereits in ihrer äußeren Erscheinungsform spiralig angelegt und repräsentiert damit die Wachstumsdynamik unseres Universums - das uns Menschen gleichermaßen beinhaltet. Das unerklärliche Mysterium der Zahl 9 offenbart sich in der einzigartigen mathematischen Eigenschaft, dass jede mit ihr multiplizierte Zahl wiederum die Quersumme 9 ergibt. Die Architektur des spanischen Architekten Antoni Gaudí mit seinen Mosaikarbeiten ist eine kreative Komponente, die mich inspiriert und beflügelt. Ebenso hat mich das Schaffen des österreichischen Architekten Hundertwasser - samt seinen Betrachtungen über gesunden Wohnraum - entscheidend geprägt. (http://www.kunstdirekt.net/kunstzitate/bildendekunst/manifeste/hundertwasser1.htm).

Frage: Dein Grundberuf ist Sozialarbeiter, gibt es aus dieser Sicht etwas zu sagen?

Antwort: In einem Gebiet, wo die größte Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung herrschen, zünden wir ein Licht an - in der Form unseres sich entwickelnden Projektes. Damit machen wir den Menschen Mut und zeigen 80 Millionen Einwohnern im Bundesstaat Andhra Pradesh, wie mißliche Umstände überwunden werden können:  durch die Realisierung unserer Naturschule in einer neuen noch nie da gewesenen Qualität – richtungweisend mit ganzheitlicher Bildung auf der Basis von menschlichen Werten.

Frage: Wie sieht Deine Arbeitswoche aus?

Antwort: Meine Arbeitswoche umfaßt ca. 100 Stunden – 70 Stunden tagsüber und 30 Stunden als Nachtwächter. Meine permanente Anwesenheit vor Ort ist unabdingbar, weil ich als Projektmanager die Qualität der geleisteten Arbeit überwachen muß und als Ideengeber meine Ideen realisiert sehen möchte. Deutscher Standard ist hier leider ein Fremdwort; daher ist das Anheben des hiesigen – sehr bescheidenen – Niveaus unbedingt erforderlich. Ich fahre dreimal pro Woche für jeweils zwei Tage nach Mudigubba, weil das Projekt 40 km von meinem Wohnort entfernt ist und 80 km tägliche Fahrt mich überfordern würden, zumal die Straße äußerst schlecht ist. Aufgrund dieser Gegebenheiten befinde ich mich ständig an meiner persönlichen Grenze (hinsichtlich Leistung und psychische Belastbarkeit) und habe auch noch Frau und Kinder zu versorgen. Aber für die Vision des Projekts bin ich bereit, all diese Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen…

Frage: Was sind die größten Probleme und die größten Erfolge?

Antwort: Die größte Schwierigkeit ist das niedrige Niveau der Facharbeiter, das angehoben werden muß, wenn es meinen Anforderungen auch nur annähernd entsprechen soll. Die guten Arbeiter haben Mudigubba längst verlassen und sind nach Puttaparthy, Anantapur oder Bangalore gegangen. Der Anantapur District befindet sich (lt. Deccan Chronicle aus 2010)  hinsichtlich der Lebensbedingungen an zweitletzter Stelle aller Districte in Indien (Alkoholismus, Verschuldung, Gewalt, mangelnde Infrastruktur, Müllproblem etc.)…

Der größte Erfolg ist für mich, wenn sich trotz dieser schwierigen Bedingungen das gesetzte Ziel – die kreative Naturschule - entsprechend realisiert. Es ist, um im Bilde zu sprechen, wie bei einem Lotusblumenteich: Die Lotusblume - reinste aller Blumen und Sitz der Götter im hiesigen Verständnis - braucht den größten Schmutz, um ihre volle Schönheit entfalten zu können…

 

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Horst Wagner im Gespräch mit Maurer Krsna vor dem Gästehaus

 

Mit ganz herzlichen Grüßen!

Ihre Helga Shanti Fründt

 

 

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